Gesucht: Die eierlegende Wollmilchsau

In den zehn Jahren als Recruiter hatte ich oft die Aufgabe die eierlegende Wollmilchsau zu finden. Ein neues Teammitglied, die alles kann, alles weiss und sich für nichts zu schade ist.

Die Erwartungen vom Linien Manager sind hoch, was auch verständlich ist. Man kann sich das neue Team Mitglied aussuchen und natürlich möchte man sich die fähigste Person wie aus einem Baukasten zusammenstellen. Jedoch soll das nicht heissen, dass der Bewerbende, alle Erfahrungen und Fähigkeiten mitbringen soll wie Superman oder Wonder Woman. Leider ist es trotzdem so, dass sich das in den Stellenbeschreibungen widerspiegelt. Das neue Teammitglied muss bereits Erfahrungen in einem ähnlichen Job mitbringen, möglichst viele Sprachen fliessend sprechen, sehr gut ausgebildet, dynamisch, jung, selbständig, offen, zuverlässig, belastbar, mitdenkend, proaktiv, formbar und und und sein.

Das ist keine Kritik an die Firmen. Mir ist sehr wohl bewusst, dass in manchen Positionen eine Person ein grosses Aufgabengebiet abzudecken hat und daher viele verschiedene Fähigkeiten mitbringen muss. Daher sucht man die eierlegende Wollmilchsau, die alle anfallenden Aufgaben in der Abteilung und darüber hinaus übernehmen kann. Als Firma muss man sich aber bewusst sein, dass es abschreckend auf Bewerber sein kann, wenn es fast unmöglich ist alle Qualifikationen zu 100% zu erfüllen. Ein Artikel vom Harvard Business Review zitiert eine Studie von Hewlett Packard, die herausgefunden hat, dass sich Männer bewerben wenn sie „nur“ 60% der Qualifikationen erfüllen und Frauen erst bei 100% Erfüllung. Dies führt dazu, dass sich bestens qualifizierte Personen nicht bewerben obwohl genau sie das fehlende Teil für die suchende Firma sind. Als Bewerber sollte man sich auch fragen warum man überhaupt alle Qualifikationen mitbringen muss. Denn wenn man bereits einen ähnlichen Job inne hatte, wo bleibt da überhaupt die Herausforderung und was lernt man noch dabei? Sollten nicht die Personen ab 60% Anforderungserfüllung sich bewerben? Bewerbende sollten sich mehr zutrauen und an die eigenen Fähigkeiten glauben. Schweizer tendieren oft dazu sich unter ihrem Wert zu verkaufen. Im multikulturellen Schweizer Arbeitsmarkt ist dies nicht immer hilfreich oder förderlich für die Karriere. Gehe ein Risiko ein und bewerbe dich! Lernen kann man auch on the Job.

Es ist wichtig zu wissen, dass die Stellenbeschreibung nur ein Wunschprofil abbildet. Denn aus meiner Erfahrung und Beobachtung stellen Firmen eine Person ein, wenn die Persönlichkeit und ihr Mindset zur Firma und deren Werte passen. Der Bewerbende sollte sich auch im bereits vorhandenen Team gut einbinden lassen. Die Wichtigkeit der Soft Skills überragen bei Weitem die Hard Skills! Es kann natürlich auch vorkommen, dass die gesuchten Soft und Hard Skills gefunden werden und somit die eierlegende Wollmilchsau. Das wird aber eher die Ausnahme bleiben.

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